Jetzt war es hier eine Weile ruhig, was aber leider nicht am ausschweifenden Partyleben lag (schön wäre es) sondern daran, dass wir im Sommer arbeitsmäßig ziemlich eingespannt waren. Hm, aber eigentlich bekommt die emanzipierte Frau von heute doch alles auf die Reihe, oder? Wir machen alle Karriere, unser Haushalt sieht aus wie in “Schöner Wohnen”, wir sind immer wie aus dem Ei gepellt, gehen drei Mal die Woche ins Fitnessstudio und die Männer liegen uns selbstverständlich zu Füßen, weil wir auch noch unglaublich sexy sind.
Die Realität sieht anders aus. Wir hangeln uns durch prekäre Arbeitsverhältnisse, wohnen in Buden, bei deren Ansicht jeder Innenraumgestalter als erstes einen Müllcontainer anfordern würde und am Abend sind wir müde und haben ein schlechtes Gewissen, weil wir nicht die eierlegende Wollmilchsau sind, die alles einfach aus dem Handgelenk schüttelt. Und charmante, gut aussehende Millionäre sehen es noch immer nicht ein, dass sie an unserer Tür kratzen sollen.
Aus der Möglichkeit, alles zu erreichen, ist leider viel zu schnell die Verpflichtung geworden, es zu müssen. Und wenn wir es nicht schaffen, sind wir doch nur selbst daran schuld, nicht wahr? Aber auch da gibt es Abhilfe, wenn wir nur ein wenig härter an uns arbeiten, unser Zeitmanagement verbessern, wird es schon klappen.
Nur – wo bleiben wir dabei? Auf der Strecke, wie mir scheint. Ich sehe es einfach nicht ein, warum ich permanent ein schlechtes Gewissen haben sollte. Deswegen setze ich mich jetzt ins Freie und schaue mir den Sternenhimmel an. Das bringt mich zwar keinen Schritt weiter auf der Karriereleiter, aber dafür macht es mich genau jetzt, in diesem Moment, glücklich.
